Neue Strecker für Mastfall und Wantenspannung

Es war beim Training der Korsare in Graben Neudorf. Wir waren gemeinsam mit 14 weiteren Mannschaften auf dem Wasser, als Trainer Peter mit dem Motorboot hinter uns her fuhr und immer etwas zu uns rüber rief. „Nimmst die Lose aus der Leewante“ So oder so ähnlich kam es nach mehreren Zurufen beim Skipper an. Als er das dann endlich verstanden hatte, stellte sich die Frage wie sollte er die Wantenspannung erhöhen. Die Schottin stand im Trapez und meine Talje zum Spannen der Wanten liegt Mittschiffs neben dem Kielschwein auf dem Boden von meinem Rumpf. Es gibt keine Chance dies während der Fahrt einzustellen. Und auch die Mastfallverstellung lässt sich nur einstellen, wenn Skipper in der Mitte des Rumpfes steht und senkrecht nach oben ziehen kann. Die Strecker müssen also auf beide Seiten unter das Deck umgelegt werden. Zu Hause wurde dann gegrübelt und gebastelt. Die Kraft, die zum Durchsetzen der Wanten notwendig ist, ist sehr hoch. Das ziehen im Stehen geht ja noch, aber seitlich mit einer Hand ziehen… unmöglich. Es war daher notwendig zuerst die Zugkräfte zu verkleinern und die Taljen der Wanten mit einer weiteren Umlenkrolle auszustatten. Ein neuer Befestigungspunkt für das Ende des Dynemas musste auch gefunden werden. Das war ja noch relativ schnell und problemlos erledigt, mal davon abgesehen dass das Dynema ersetzt und auch später komplett neu einjustiert werden musste.

Eigentlich gehören die Klemmen für diese Strecker ja auf das Klavier, da aber dort kein Platz mehr ist um neue Klemmen anzubringen, musste eine andere Lösung dafür gefunden werden. Der Platz konnte nur in der Mitte auf meinem Kielschwein sein. Skipper hat dann aus 2mm Alublech eine Halterung gebaut, die Platz für vier Umlenkrollen und Servoklemmen hat. Diese hat er dann auf dem zuvor von Macken ´befreiten und neu lackiertem Kielschwein angeschraubt. Jetzt kann man auch bei mir von beiden Seiten aus die Mastfall und die Wanten Spannung einstellen, so wie es bei neuen Schiffen eh Standard ist. So sind wir dann zum Comer See gedüst und haben diese Einstellmöglichkeiten ausprobiert. Das funktionierte auch schon ganz prima, aber die je vier Meter langen Streckerleinen der Mastfallverstellung und Wanteneinstellung müssen noch aufräumt werden. Die liegen jetzt wie ein Wollknäul im Rumpf und vertüdeln sich dauernd. Das heißt, zu Hause gleich mal wieder basteln und überlegen wo die Seile hin sollen. Eine Idee wäre die, wie beim Baumniederholer endlos zu spleißen und unter Deck zu verseilen. Das braucht aber ne Menge Gummileine und Umlenkrollen. Ein anderer Gedanke war „Roll die Leinen einfach auf ne Spule so wie du es beim Fallenaufräumer gemacht hast und lass einen Gummi das Aufrollen übernehmen“ Das müsste doch funktionieren und dafür ist unter Deck auch Platz.

Skipper baute dann eine Spule mit einen großen Durchmesser für den Strecker und einem kleinen Durchmesser für den Aufrollgummi. Diese musste jetzt so unter das Deck angebracht werden, dass sie beim Benutzen der Strecker deren Lose immer selbstständig klariert, also gespannt hält. Da hat er schon ein paar Stunden gebastelt, bis die Lagerung der Rollen und die Führung des Gummis reibungslos funktionierte und dass dazu die Auftriebskörper neu eingepasst werden mussten war Ihm auch sofort klar. An der Stelle, an der die Spulen jetzt sitzen, ist ja kein Styropor mehr und das fehlt natürlich an Auftrieb. Da aber unter Deck noch viele Lücken zwischen den alten Auftriebskörpern waren, hat er die Styroporstücke alle neu zugeschnitten und so eingepasst das keine Luft mehr dazwischen ist. Grob geschätzt ist jetzt sogar mehr Aufrieb vorhanden als zuvor. Die nächste Kenterung wird zeigen ob er Recht hat. Das alte  Segeltuch mit dem die Körper unter Deck gehalten wurden, hat er dann auch gerade mal durch ne Polystyrolplatte ersetzt. Dadurch kommt man relativ unkompliziert an die Spulen. Zu guter Letzt hat die Crew dann den Mast gestellt und das Rigg komplett neu eingemessen. Das Ganze macht mich jetzt mal wieder ein bisschen schwerer. Aber der erste Test am Alpsee vor der Kuhschelle 2024 war schon sehr zufriedenstellend. Auch bei  vier Beaufort konnte Skipper die Strecker bedienen und verstellen. Lediglich die provisorische Holzlatte, die er zur Leinenführung kurzerhand noch angeschraubt hat, muss er durch was ordentliches ersetzen.